„Das sind dreiste Horror­geschichten“

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Michael Hauke: Wenn Sie sagen, dass es in keiner Weise eine erhöhte Sterblichkeit gab, wie kam es dann zu den Bildern von gestapelten Särgen, die genau das suggerierten?

Gerald Ramm: Das hatte mehrere Ursachen. Diese Bilder stammen vom Jahreswechsel 2020/21. Um Weihnachten herum haben wir immer sehr viele Todesfälle. Über die Feiertage haben die Ämter zu – und dieses Jahr waren auch noch viele Mitarbeiter im Homeoffice. Deswegen hat die Bearbeitung in den Standesämtern sehr lange gedauert, in Berlin bis zu drei Wochen. Ohne Papiere vom Standesamt nimmt mir aber kein Krematorium einen Toten ab. Wir lagern die Toten bei uns, aber es gibt viele Bestatter, gerade in Berlin, die ihre Verstorbenen auslagern müssen – und da stapeln sich dann die Särge. Dann kommt seit Corona dazu, dass man nicht mehr in die Krematorien in Polen, Tschechien oder Holland kommt. Mit den Krematorien im benachbarten Ausland haben viele Bestatter aus den Grenzregionen und aus Berlin aus Kostengründen zusammengearbeitet.