Ein Kommentar von Thomas Hartung im „Kontrafunk“:
Eine freie Gesellschaft lebt davon, dass der Mensch nicht vollständig mit seiner politischen Meinung identifiziert wird. Er ist Vater, Handwerker, Fußballfan, Kollege – und vielleicht AfD-Wähler. Keine dieser Eigenschaften darf alle anderen verschlingen. Doch genau diese Grenze wird zunehmend porös. Die politische Haltung wandert aus dem Wahllokal in den Alltag. Plötzlich wird gefragt: Wer beschäftigt diesen Menschen? Wer vermietet ihm einen Saal? Wer sitzt mit ihm im Verein? Und nun eben: Wie kommt seine Familie mit ihm zurecht? Das ist die soziale Kehrseite jener politischen Metapher, die inzwischen allgegenwärtig ist: der „Brandmauer“.
„Vielleicht wäre deshalb eine ganz andere Recherche interessant: nicht „Wie lebt es sich mit AfD-Wählern?“ Sondern: Wie konnte eine politische Kultur entstehen, in der Journalisten es für selbstverständlich halten, eine solche Frage überhaupt zu stellen?“
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