„Am Anfang stand eine Erkenntnis, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu dem sogenannten „linguistic turn“ geführt hat: Das analytische und kritische Denken muss von Bewusstsein auf Sprache und Kommunikation umstellen. Diese Wendung beginnt 1953 mit Ludwig Wittgensteins Theorie der Sprachspiele. Demnach sind die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt.
In England und Amerika war es die Sprechakttheorie von John Austin (1955) und John Searle (1969), die zeigen konnte, wie Sprechen die Realität verändert. In Frankreich war es die Diskursanalyse von Jacques Lacan und Michel Foucault, vor allem aber auch die von Jacques Derrida entwickelte Methode der „Dekonstruktion“, die an die Stelle der bisher von den Marxisten bevorzugten Methode der Ideologiekritik trat. Alles Wesentliche geschah also schon in den 50er und 60er Jahren.
Die französische Variante des „linguistic turn“ hat die entscheidende Verschärfung gebracht, die schließlich in den woken Wahnsinn mündete. Die Faszination der Diskursanalyse besteht nämlich darin, dass sie Sprache und Kommunikation als Schauplätze von Macht und Gewalt interpretiert: Indem wir kommunizieren, sind wir in Machtverhältnisse verstrickt – und das ganz unabhängig von unseren Absichten und Gesinnungen.“